Max Goldt liest. „Drehen Sie auch bei Durchfall?“

„…nein, dann nicht. Das ist nicht so beliebt“. Wenn solche Sätze in einer Lesung vorkommen, die nicht in die Comedy-Ecke abdriftet, kann es nur Max Goldt sein. Goldt liest an diesem Abend im Oktober – insgesamt über zwei Stunden – im Münchner Lustspielhaus Texte überwiegend aus seinem neuen Buch „Aber?“. Mitunter kommen auch ältere, teilweise redigierte und angepasste Texte vor; die meisten davon dürften der Anhängerschaft bekannt sein.

Wer Max Goldt von früheren Lesungen kennt, erkennt vieles wieder, aber auch einiges Neues. Wie beispielsweise, dass Goldt ankündigt, bereitwillig jeden (!) Signier-Wunsch zu erfüllen. Auch die sehr pointierte und lebendige Rezitation seiner Texte ist anders als früher, und sie tut den Texten gut. Als altgedienter Meister der Formulierkunst in deutscher Sprache, der Gedankensprünge und gedanklicher, bisweilen amateur-philosophischer Fernreisen über zehn Ecken, geht Max Goldt mittlerweile aber auch nachdenklicher zu Werke, etwa in seinem Text über Wiglaf Droste, der ungewohnt persönlich, ja geradezu berührend ausfällt. Die typischen Max-Goldt-Momente überwiegen an diesem Abend jedoch („Ehe für alle – das klingt wie eine Drohung!“) – und trotz einigermaßen durchmischtem Publikum wird erkennbar, dass auch der Alt-Herren-Witz Einzug bei Max Goldt hält – nur eben in der gepflegten Intellektuellen-Version für Lehrerinnen und Lehrer.

Die auf die Probe gestellte und erfüllte Ankündigung von Max Goldt, Signierwünsche zu berücksichtigen – ich bat um eine Signierung des neuen Buchs „Aber?“ mit der Widmung „Doch!“ – rundet den Abend ab und bringt zusätzliche Erkenntnisse mit sich: er habe, so Max Goldt, sogar überlegt, das nächste Buch „Doch!“ zu nennen. Aber, das sei dann doch „zu offensichtlich“.


© Michael Gernet

Auf einen Blick:
Veranstalter: Lustspielhaus München
Max Goldt: Aber?
dtv | 160 Seiten | ISBN: 978-3-423-28488-2
24 Euro


Hinweis:
Die Eintrittskarten zur Lesung habe ich selbst bezahlt. Es handelt sich um keine Kooperation oder bezahlte Werbung.