Ein Abend, der uns tief bewegt hat: Die Autorin und Schauspielerin Lea Ruckpaul las in der wunderbaren unabhängigen Buchhandlung CoLibris in Neuhausen aus ihrem Debüt-Roman Bye Bye Lolita – eine radikale, erschütternde Neuerzählung von Nabokovs Lolita, diesmal geschrieben von Lolita selbst. Direkt, explizit, voller Wut. Ruckpaul benennt klar und unmissverständlich, um was es in Nabokov Klassiker eigentlich geht: Vergewaltigung, Missbrauch, Macht – das Patriarchat. Und das alles schonungslos, aufrüttelnd, unter die Haut gehend. Das Publikum war gefesselt – und zugleich erschüttert.
Lea Ruckpaul – Autorin und preisgekrönte Schauspielerin
Lea Ruckpaul, die für ihre beeindruckende schauspielerische Leistung im Solo-Stück Prima Facie am Residenztheater in diesem Jahr mit dem Therese-Giehse-Preis ausgezeichnet wurde, las mit einer Intensität, die nachhaltig nachwirkt. Für uns ergab sich ein schöner Bogen: Prima Facie war gerade erst Thema in unserem Lesekreis, am Samstag sehen wir die Inszenierung – und so fügte sich dieser Abend zu einer besonderen, runden Geschichte.
Eine besondere Randnotiz: Die erste Auflage des Romans trug einen Sticker mit der Aufschrift „Diesmal geschrieben von Lolita, ihr Arschlöcher“ – ein Bonmot, das den Kern des Buches in all seiner Wucht auf den Punkt bringt.
Die anschließende Diskussion ließ uns nachdenklich zurück – bewegt, erschüttert, und mit einer klaren Empfehlung für diesen wichtigen Roman. Eine wirklich wichtige weibliche Erzählstimme, wie es noch viele brauchen wird.
© Tanja GernetAuf einen Blick
Lea Ruckpaul: Bye Bye Lolita
Verlag Voland & Quist 2024 | 312 Seiten ISBN: 978-3-86391-422-6
24 Euro
basierend auf dem Original von Vladimir Nabokov: Lolita
Hinweis:
Den Eintritt zur Lesung haben wir selbst bezahlt. Es handelt sich um keine Kooperation oder bezahlte Werbung.
