Der Autorin Susanne Abel gelingt mit „Du musst meine Hand festhalten, Kind Nummer 104“ ein Roman, der sich tief bei mir eingegraben hat. Hardy und Margret (Kind Nr. 104 und Kind Nr. 87) verlieren im Zweiten Weltkrieg ihre Familien und wachsen in einem Kinderheim unter Nonnen auf. Das Heim geprägt ist von Grausamkeit, Misshandlung und einer erschütternden Lieblosigkeit. Sie tragen tiefe Wunden und Narben aus dieser Zeit mit sich, die ihr ganzes Leben prägen werden – und die zugleich eine tiefe, unerschütterliche Verbundenheit zwischen ihnen entstehen lassen.
Wenn Traumata sich ins Gedächtnis der kommenden Generationen einprägen
Doch die Geschichte endet nicht bei Hardy und Margret. Denn Susanne Abel zeigt eindringlich, wie die Traumata und Verletzungen, die beide erlitten haben, nicht nur ihr eigenes Dasein bestimmen, sondern sich wie unsichtbare Fäden durch die Generationen ziehen. Die Vergangenheit ist nicht abgeschlossen, sie lebt weiter – in ihrer Familie, in der Gegenwart, in uns allen.
Mit klarer, flüssiger Sprache, die leicht lesbar ist und doch von einer erschütternden Wucht getragen wird, erzählt Abel von einem Kapitel deutscher Geschichte, das aufwühlt, schmerzt und betroffen macht. Manche Szenen sind kaum zu ertragen, und doch kann man das Buch nicht aus der Hand legen. Zu lesen, was Kindern in deutschen Heimen widerfahren ist – und welche Rolle dabei Institutionen wie die Kirche spielten – macht fassungslos und bewegt zutiefst.
„Du musst meine Hand festhalten, Kind Nummer 104″ ist ein Roman, der zeigt, dass die Vergangenheit nicht vorbei ist, sondern uns bis heute begleitet. Ein aufrüttelndes, schmerzhaftes und zugleich wichtiges Buch, das man nicht vergessen kann.
© Tanja GernetAuf einen Blick
Susanne Abel: Du musst meine Hand festhalten, Kind Nummer 104
dtv 2025 | 544 Seiten | ISBN : 978-3-423-28392-2
24 Euro
Hinweis:
Dieses Buch habe ich selbst gekauft. Es handelt sich um keine Kooperation oder bezahlte Werbung.
