(UN)ERHÖRT: Frauen reden über häusliche Gewalt

In einer Welt der andauernden Informationsflut ist es verlockend leicht abzustumpfen. Hier grausame Bilder in der Nachrichtenapp, dort eine beängstigende Statistik über unsere Gesellschaft. Und plötzlich ertappt man sich bei dem Wunsch nach Abschottung, nach Tür zu, Ohren zu, Augen zu, Eskapismus an. Um diesen Mechanismus zu verhindern, braucht es mutige Stimmen, die ihre Geschichten erzählen, denn Geschichten (be)greifen wir besser als Zahlen und Statistiken. Deshalb bedarf es einen großen Dank an die Herausgeber:innen und Erzählerinnen hinter einem ganz besonderen Buchprojekt, das Ende November erschienen ist: In (UN)ERHÖRT berichten Frauen von häuslicher Gewalt, die ihnen angetan wurde. Dieser persönliche Einblick hinter die Wohnungstüren zeigt, wie verankert häusliche Gewalt in unserer Gesellschaft ist, dass sie von außen kaum sichtbar ist und dass Fluchtwege nur mit äußerster Kraft und Unterstützung geschaffen werden können.

In Ihrer vom Verein Ismaning bleibt bunt e.V. veranstalteten Lesung im Torfbahnhof am 12. Dezember 2025 erzählten Romy Stangl und Elisabeth Schönberger ihre Geschichten. In der anschließenden Diskussion ging es unter anderem um die tiefgreifenden Veränderungen, die häusliche Gewalt nach sich zieht. Die persönlichen Einblicke in das vergangene Leben der Betroffenen lösten beim Publikum eine tiefe Betroffenheit aus. Dies verdeutlichte, wie kraftvoll Stimmen sein können, wie wichtig mutige erzählte Geschichten sind, um im Angesicht des Unbegreiflichen nicht die Augen zu verschließen, sondern Anteilnahme zu empfinden, aus der echter Veränderungswille entstehen kann. Dennoch ist es wichtig eine Triggerwarnung auszusprechen, denn gerade weil es sich um echte Geschichten handelt, gehen die erschreckend gewaltvollen und traumatisierenden Geschehnisse unter die Haut, weil ihnen ein fiktionaler Mantel fehlt.

Das im Selbstverlag erschienene Buchprojekt (UN)ERHÖRT verschafft den Opfern von häuslicher Gewalt Sichtbarkeit und Agens. Ihre mutigen Erzählungen sollten der Anstoß für Veränderungen sein, die bewirken, dass in Zukunft weniger und im besten Fall gar keine solcher Geschichten mehr erzählt werden müssen.

Elisabeth Schönberger liest aus (Un)erhört© K wie Kultur e.V.

(UN)ERHÖRT – Frauen reden über häusliche Gewalt
Ein Projekt von Romy Stangl, Peter Müller und Anna Clara Schrenker
Erschienen am 25.11.2025 im Selbstverlag

Der Erlös wird an Einrichtungen gespendet, die Opfer von häuslicher Gewalt unterstützen.

Weitere Informationen: (un)erhört – ANNA CLARA SCHRENKER