Ferdinand von Schirachs Kinderbuch zur Frage: Wie können wir gut miteinander leben?

Ferdinand von Schirach hat sein erstes Kinderbuch geschrieben: „Alexander“ . Ich war zuerst skeptisch und wurde dann aber auf eine ganz besondere Weise überrascht: Es ist ein Buch, das weit über eine einfache Kindergeschichte hinausgeht. Ich habe es meiner Tochter zum 11. Geburtstag geschenkt, und wir haben es gemeinsam an zwei Abenden gelesen.

In einer klaren, einfach verständlichen Sprache gelingt es von Schirach, sich den große philosophische Fragen zu widmen: Was ist Gerechtigkeit? Was sind gute Gesetze? Auf welchen Werten basiert unsere Gesellschaft – und wie können wir gut miteinander leben? Dabei bleibt der Text stets leicht verständlich, ohne an Tiefe zu verlieren. Im Gegenteil: Gerade die Einfachheit der Worte eröffnet Raum für bedeutungsvolle Gedanken. Das Buch ist vielleicht schnell gelesen, aber keineswegs schnell durchdacht.

Die Stadt Kaliste sucht nach guten Gesetzen

Die Stadt Kaliste sucht nach einem fürchterlichen Krieg die Antworten auf die großen Fragen des Lebens. Und vor allem wollen sie fortan in Frieden leben. Alexander, ein Junge aus Kaliste, hat seinen Vater im Krieg verloren. Er wird von den Bewohnern ausgewählt, nach den guten Gesetzen zu suchen und damit den Frieden zu sichern. Er begibt sich auf eine Reise, auf der ihm viele Menschen begegnen, die ihm wichtige Erkenntnisse und Prinzipien mitgeben. Wunderbar und mit vielen guten Beispielen erklärt von Schirach philosophische Weisheiten, lässt Diogenes im Weinfass auftreten, ein Orakel sprechen und diskutiert über den Wert und die Würde des Menschen.

Anklänge von Jostein Gaarders „Sofies Welt“

Das Buch ist berührend, poetisch und regt gleichermaßen Kinder wie Erwachsene zum Nachdenken an. Es hat bei uns intensive Gespräche ausgelöst und dazu eingeladen, sich gemeinsam mit grundlegenden Fragen des Lebens auseinanderzusetzen: Was bedeutet ein gutes Leben? Wie verhalte ich mich richtig? Wie können wir als Menschen friedlich zusammenleben?

„Alexander“ ist damit nicht nur ein wunderbares Kinderbuch, sondern auch eine wertvolle Lektüre für Erwachsene – eine Einladung, sich wieder auf das Wesentliche zu besinnen: die Würde des Menschen und die Grundlagen unseres Zusammenlebens. Ich musste direkt an Jostein Gaarders „Sofies Welt“ denken, dessen Lektüre bei mir allerdings schon sehr lange zurück liegt. „Alexander ist empfehlenswert für Kinder ab etwa neun oder zehn Jahren – ebenso für alle Erwachsenen, die sich von einem klugen, stillen und nachdenklichen Buch berühren lassen möchten.

Auf einen Blick
Ferdinand von Schirach: Alexander
Penguin Junior 2026 | 160 Seiten | ISBN : 978-3-328-30481-4
18 Euro


Hinweis:
Dieses Buch habe ich selbst gekauft. Es handelt sich um keine Kooperation oder bezahlte Werbung.