Gerhard Polt und die Well-Brüder beim Ismaninger Volksfest

Ist das noch Satire oder schon Dokumentation?

Gerhard Polt ist mittlerweile 84 Jahre alt – auf der Bühne merkt man ihm das nicht an und sein Kabarett ist aktueller denn je. Zusammen mit den Well-Brüdern (Karl, Stofferl und Michael) gestaltete er ein knapp zweistündiges Programm zum Abschluss des Ismaninger Volksfests; die Veranstaltung wurde von der SPD Ismaning unter Federführung von Luise Stangl organisiert. 

Der Großmeister des bayerischen Kabaretts gibt an diesem Abend Altbekanntes (Todesanzeige der Allianz für den Berti) sowie Neues (Siebener-Selfie) zum Besten. Wie immer musikalisch kongenial begleitet, ergänzt und unterstrichen von den Multi-Instrumentalisten der Well-Brüder, die vom Alphorn über eine Harfe bis hin zur Dreh-Leier auffahren, was der Volksmusik-Instrumentenkasten hergibt. 

Musik oder Kabarett? Oder beides?

Bei der Mischung des Programms ist manchmal gar nicht so klar, wer hier die Musiker und wer der Kabarettist ist. Schon immer ergänzen sich beide vortrefflich – die Well-Brüder entwickelten aber über die Zeit immer mehr ihren eigenen, bissigen Stil, der mehr Realsatire ist, als klassisches Kabarett.

Dementsprechend nähern sich beide, Polt und die Well-Brüder auch an diesem Abend mal wieder den Lebensrealitäten und Banalitäten des Volks auf unterschiedliche Weise. Einerseits Polt, der durch seine unglaubliche Beobachtungsgabe und seinen Blick für die Details der Zwischenmenschlichkeit schlicht Alltagskleinigkeiten gekonnt zuspitzt und konterkariert – und damit das Publikum mit der Deutsch- und Bayern-Tümelei konfrontiert. Anderseits die Well-Brüder, die satirisch zugespitzt diese Lebensrealitäten einfach aussprechen („Aus Erfahrung gut heißt AEG, ein Atomkraftwerk des is a AKW, zum Alphabet da sogt mer ABC und Asyl für Deppen hoaßt AFD“) und diese zusätzlich durch das Verpacken in ein Gstanzl konterkarieren. Selbst das Wetter weiß das an diesem Abend zu wertschätzen und schickt passend zur Söder-Pointe einen grollenden Donner.

Beiden Arten gemein ist, dass man oft nicht weiß, ob man wirklich lachen oder beschämt den Kopf schütteln soll – ebenso, wie beide Arten es schaffen, ein Gefühl zu erzeugen, es seien ja nur die Anderen gemeint. 

Gelungener Auftritt mit Lokalkolorit

Grandios gekonnt schaffen es die Well-Brüder zudem immer wieder, ihre Texte mit regionalem und lokalem Bezug zu verfeinern: „Ja in Ismaning wird den Kindern die Unendlichkeit so erklärt, des ist dann wenn die Isarbrückn nach Garching endlich fertig werd!“

Als Zugabe gibt’s Gesundheitstipps von Gerhard Polt: die Besucher täten gut daran, aus Glaskrügen zu trinken, um Lungenheringe zu vermeiden. Ein Klassiker, der immer Lacher garantiert. 

© Michael Gernet

Auf einen Blick

Gerhard Polt & die Gebrüder Well: Apropos.
Veranstalter: SPD Ismaning
Veranstaltungsort: Volksfest Ismaning


Hinweis:
Den Eintritt habe ich selbst bezahlt, es handelt sich um keine Kooperation oder bezahlte Werbung.