Lang erseht und endlich da: Der neue Roman von Elena Fischer. Ganz leise, ruhig und fast anmutig schön erzählt Fischer die Geschichte von Joseph – einem einfachen Bauern mit einem kargen Leben in den sechziger Jahren, der von Frau und Sohn verlassen wird und plötzlich ganz alleine ist. Mit sich selbst, mit der Stille auf seinem Hof, mit den Tieren, mit der Arbeit, mit all seinen Schuldgefühlen und dem Schmerz den er tief in seinem Inneren vergraben hat. Hoffnungslos, einsam und allein beschließt er, sich an Heiligabend das Leben zu nehmen und greift zu seiner Schrotflinte. Doch bevor es soweit kommt, klingelt es unerwartet an seiner Tür und eine junge Frau benötigt seine Hilfe.
Birdie ist auf der Flucht vor ihrer Familie und ihrer eigenen Geschichte – vom Fieber gezeichnet und sichtlich geschwächt bietet Joseph ihr einen Schlafplatz für die Nacht.
Es ist nie zu spät, neue Wege zu gehen
Birdie – unkonventionell und unerschrocken – zeigt dem freudlosen Joseph, was das Leben bereit halten kann, wenn man den Mut hat, alte Pfade zu verlassen und neue Wege zu gehen. Eine Begegnung die Josephs Leben eine neue Wendung gibt und ihm aufzeigt, dass es nie zu spät für eine Reise zu sich selbst ist und für die Suche nach dem guten Leben.
Poetische Sprache – intensives Leseerlebnis
Elena Fischer schreibt diesen berührenden und stillen Roman in einer wunderschönen poetischen Sprache und lässt damit tief in die Gefühlswelt der Figuren abtauchen. Beim Lesen entwickelt sich dadurch ein regelrechter Sog, man möchte das Buch gerne in einem Atemzug durchlesen. Ich war bereits begeistert von ihrem Debüt Paradise Garden und hatte ihrer Neuerscheinung lange entgegen gefiebert und ich kann sagen: Meine Erwartungen wurden hier übertroffen. Die Figuren und die Geschichte werden sicher noch lange in mir nachhallen.
Ein absolutes Lesehighlight und empfehlenswert für alle, die gerne ruhige Geschichten mit Tiefgang lesen, die einem am Ende fast magisch verzaubert zurücklassen.
Mein Fazit
Stimmungsvoll inszeniert, vielschichtige tiefgründige Charaktere, poetische Sprache und eine Geschichte, die lange bleibt. Für mich hat Elena Fischer mit Wirf einen Schatten noch einmal eine ganz andere erzählerische Tiefe erreicht und kann sich einreihen in die Tradition großer Erzählstimmen wie etwa Benedict Wells. Ich bin gespannt, was wir von ihr zukünftig noch lesen werden.
© Tanja GernetAuf einen Blick:
Elena Fischer: Wirf einen Schatten
Diogenes Verlag | 304 Seiten | ISBN: 978-3-257-07390-4
25,00 Euro
Hinweis: Dieses Buch habe ich selbst gekauft. Es handelt sich um keine Kooperation oder bezahlte Werbung.
