Mit Social-Media
Die Reise nach Bali, die Samara nur aus Trotz macht. Dann der Einstieg in den Job in der Social-Media-Agentur – ich find’s grandios beschrieben. „Wir brauchen mehr PoC“ wir haben so „Zero Diversity“, der Berliner Dadfluencer, der trotz Carshaming ein Auto gesponsert haben will – aber Dacia oder Toyota sollte es nicht sein. Schon eher BMW, Mercedes, Porsche, wenn’s muss Audi – „you name it“. Das ist eine so großartige Persiflage auf die Social-Media-Welt, über die man schallend lachen kann. Nur leider ist es ja wirklich so.
Mit Reichen und Schönen
Weiter geht’s über ein paar Stationen nach St. Moritz, in dem dann der Hauptteil des Buches stattfindet. Auch hier wieder ein genau sezierter Blick auf die Welt der Schönen und Reichen, die den meisten Menschen verborgen bleibt und in den die Mehrheit allenfalls durch Social Media Einblick bekommt. Und da wären wir wieder, beim größten Lügengebäude der Menschheit.
Samara als Hochstaplerin, die kaum je die Wahrheit erzählt und sich immer weiter in ihre Lügengeschichten verstrickt – beschrieben, so dass man sich denkt „boah, ne, warum denn jetzt schon wieder ne Lüge!“. Auch der Seitenhieb auf die Kunstszene ist thematisch wirklich gut, denn wer bestimmt schon, was Kunst ist? Wer möchte denn da behaupten können, irgendwas sei gelogen, erfunden, etc.?
Mit Leichtigkeit
Der Bezug zu „Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins“ von Milan Kundera ist sehr gelungen. Dieselbe Spannung zwischen Bindungslosigkeit und Verbindlichkeit, zwischen Selbsterfindung und Wahrheit, die Kundera durchdekliniert, treibt auch Samara an. Ihre Lügen sind genau diese „Leichtigkeit“ – nichts muss endgültig sein, solange man es sich neu erzählen kann – oder woanders wieder anders erzählen.
Eine absolute Leseempfehlung!
© Michael GernetAuf einen Blick:
Caroline Wahl: 1999 Meter über dem Meer
Rowohlt Verlag | 368 Seiten | ISBN: 978-3-498-00771-3
24,00 Euro
Hinweis: Dieses Buch habe ich selbst gekauft. Es handelt sich um keine Kooperation oder bezahlte Werbung.
